Sunday, January 22nd, 2012

Newt oder Mitt ?

(photo: abc – news)

War das spannend.

Gewinnt Newt Gingrich oder Mitt Romney???

Der Kandidatenkür der Republikaner ging am Samstagabend in die 3. Runde. Mit South Carolina hat der erste der Südstaaten seinen Favoriten gekürt und der heißt:

NEWT GINGRICH.

Eine faustdicke Überraschung. Noch Anfang der Wochen hätten alle Kommentatoren ihre Karriere auf Mitt Romney, 64, den früheren Gouverneur von Massachusetts, verwettet.

Es bleibt also spannend im amerikanischen Vorwahlkampf. Und das freut vor allem Amerikas Fernsehstationen. Denn 6 Stunden Wahlkampfshow zur besten Sendezeit müssen gefüllt werden.

Eine ‘fun night’ (spaßige Nacht) verspricht Rachel Maddow, Moderatorin bei MSNBC, zum Auftakt der Wahl-Sondersendung. Das Studio funkelt blau-rot. An der ‘Magic Wall’ (der Zauberwand) steht ein Reporter, der die Umfrageergebnisse der einzelnen Landkreise per Fingerklick auf den riesigen Bildschirm transportiert.  Rachel Maddow hat 4 Experten um sich versammelt, die jedes neue Zwischenergebnis, jede Kandidatenäußerung deuten….

Höhepunkt der Show sind die Reden der 4 Bewerber, die noch im Präsidentschafts-Rennen sind.

Als erster tritt Mitt Romney vor die Mikrofone. Der Multimillionär galt nach seinem Sieg in New Hampshire und dem Beinahe-Sieg in Iowa als klarer Favorit. Doch im streng konservativen South Carolina wollten sie ihn nicht. Zu wenig christlich – Romney ist Mormone, zu wenig Leidenschaft, zu wenig Charisma. Und dann noch die Probleme mit seiner Steuererklärung. Die hat er bis jetzt nicht offengelegt. Trotz dringender Bitten. Nur 15% Steuern soll er zahlen. Viel weniger, als der durchschnittliche Amerikaner.

Nur 27,9 Prozent der Wähler in South Carolina stimmten für Romney. 40,4 für seinen Rivalen Gingrich (Santorum 17,0; Ron Paul 13,0). Das tut weh. Mitt versucht trotzdem tapfer zu lächeln. Nur 2 seiner 5 strammen Söhne stehen dieses Mal hinter ihm. Auch sie grinsen. ‘Wir haben noch einen weiten Weg vor uns,’ sagt Mitt. Seine Unterstützer schwenken ‘Believe in America’-Schilder und jubeln, als hätte ihr Kandidat schon die Vorwahlen gewonnen.

So fühlt sich an diesem Abend Sieger Newt Gingrich. Ganz präsidial preist er in seiner Rede zunächst seine Mitbewerber als wahre amerikanische Patrioten. 24 Stunden zuvor hatte er Gegner Romney noch als Arbeitsplatzvernichter verteufelt. Neben ihm strahlt Calista, seine dritte Ehefrau. Mit festgepraytem blonden Pagenkopf und schmucklosem Hals – ihr Tiffany-Einkäufe hatten letztes Jahr Schlagzeilen gemacht – nickt sie zu jedem Statement, das Gingrich abgibt. Zum Reden kommt der ehemalige Sprecher des US-Repräsentatenhauses fast nicht. So frenetisch sind die ‘NEWT’ Schreie seiner Fans.

Dabei ist Newt Gingrich alles andere als ein politischer Saubermann. Ethische Verfehlungen, zweifelhaftes Lobbying, eheliche Untreue. Ehefrau Nummer 2, Marianne, erklärte wenige Tage vor den Vorwahlen in South Carolina, Newt habe ihr einst seine Affäre mit Calista gebeichtet und eine offene Ehe vorgeschlagen.

Harter Tobak im konservativen Süden. Hier glauben die Menschen noch an Ehe und Familie und vor allem an Gott. Und trotzdem haben sie ihn gewählt. ‘Er hat als einziger den Mumm Präsident Obama im November zu schlagen,’ sagt ein Wähler in Charleston, ‘und er ist gemein genug!’

Die Reden von Ron Paul, 76, dem eigensinnigen Wirtschaftsliberalen, der sich zum drittenmal um den Präsidentenjob bewirbt und dem christlich-konservativen Rick Santorum, 53, der ganz knapp die 1. Vorwahl in Iowa gewonnen hat, gehen im Vorwahlkampfgetöse fast unter.

Fazit nach 6 Stunden Fernsehmarathon: Es ist wieder alles offen im Reich der Republikaner.

Der Sieg in South Carolina hat dabei historische Bedeutung. Seit 1980 wurde jeder republikanische Bewerber, der hier gewonnen hat, auch der nationale Kandidat.

Also alles auf Newt und Mitt im aus?

Am 31. Januar werden die Karten neu gemischt. Dann wählt Florida.

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