Wednesday, March 21st, 2012

Der Trayvon Martin – Skandal

Trayvon Martin starb an einem Sonntagabend im Februar.

Er war 17 Jahre alt, ein ‘guter Junge’ wie seine Eltern sagen, ein fleißiger Schüler, mathematisch begabt. Später wollte er Pilot werden. Als er erschossen wurde, hatte er sich gerade einen Eistee und Bonbons gekauft.

Musste Trayvon Martin sterben, weil er schwarz war?

George Zimmermann, 28,  selbsternannter ‘Nachbarschaftswächter’ in Sanford, Florida, fand Trayvon ‘verdächtig’. Da griff er kurzerhand selbst zur Pistole und erschoss den Teenager.

Die Medien haben die Geschichte erst jetzt aufgegriffen. Und seitdem empört sich Amerika. Rassismus, Schande, Waffenwahn – lauten die altbekannten Schlagworte.

Was hat Trayvon Martin getan um ‘verdächtig’ zu sein?

Augenscheinlich nichts, außer, daß seine Hautfarbe schwarz war.

Am Sonntag, den 26. Februar, gegen 19 Uhr geht Trayvon zum Supermarkt um Süssigkeiten und Eistee zu kaufen. Er ist zu Besuch bei seinem Vater, der in Sanford, einem Vorort von Orlando, wohnt.

Während seines kurzen Shopping-Trips telefoniert er die ganze Zeit mit seiner 16jährigen Freundin in Miami.

Um 19.12 Uhr erzählt Trayvon ihr, dass er verfolgt wird. Das Mädchen rät ihm weg zu rennen. Danach bricht die Verbindung ab.

Als die Polizei um 19.17 Uhr in der Siedlung eintrifft, ist Trayvon tot. Der Schuss ging aus nächster Nähe mitten durch die Brust des Teenagers.

George Zimmermann stellt sich der Polizei und erklärt, dass er in Notwehr geschossen hätte. Trayvon hätte ihn angegriffen. Er hätte sich gewehrt. Die Polizei lässt Zimmermann gehen.

Nach dem in Florida geltenden Gesetz ‘Stand you ground’ (übersetzt etwa ‘Verteidige deinen Grund’) darf man sein Hab und Gut bei Gefahr jederzeit mit Waffengewalt verteidigen.

Die Frage ist: Welche Gefahr ging von Trayvon Martin aus?

Klarheit sollen die jetzt veröffentlichten Telefonmitschnitte bringen.

George Zimmermann ist bei der Polizei in Sanford kein Unbekannter. Er ruft immer mal wieder an, wenn er glaubt etwas Verdächtiges in der Nachbarschaft gesehen zu haben. Auch am 26. Februar wählt er die 911-Notrufnummer.

‘Wir hatten hier einige Einbrüche und jetzt ist da dieser wirklich verdächtige Typ’, meldet Zimmermann der Polizei. ‘Der Kerl sieht aus als würde er nichts Gutes im Schild führen oder er ist auf Drogen oder sonst was.’

‘Diese Typen kommen doch immer davon’ sagt er und steigt aus seinem Auto um Trayvon zu Fuss weiter zu verfolgen.

‘Verfolgen sie ihn?’ fragt die Polizei. ‘Ja’, antwortet Zimmmermann. ‘Das brauchen sie nicht zu tun.’ antwortet die Polizei.

Zimmermann bleibt trotzdem dran.

Es ist dieser Notruf-Mitschnitt, der die Amerikaner besonders aufwühlt.

Jonathan Capehart, Kolumnist der Washington Post, erinnert die Trayvon-Tragödie an seine eigenen Erfahrungen.

In seinem Artikel am Montag schreibt Capehart über die Ratschläge, die ihm seine Mutter gab, als die Familie 1980 in eine überwiegend weiße Nachbarschaft zog. (http://www.washingtonpost.com/blogs/post-partisan/post/under-suspicion-the-killing-of-trayvon-martin/2011/03/04/gIQAz4F4KS_blog.html)

Don’t run in public.” Lest someone think you’re suspicious.

(Lauf’ nicht in der Öffentlichkeit. Damit nicht jemand denkt, du bist verdächtig)

“Don’t run while carrying anything in your hands.” Lest someone think you stole something.

(Lauf’ nicht während du etwas in der Hand hast. Damit nicht jemand denkt, du hast etwas gestohlen.)

“Don’t talk back to the police.” Lest you give them a reason to take you to jail or worse

(Widersprich der Polizei nicht. Damit du niemandem einen Grund gibst, dich ins Gefängnis zu stecken oder schlimmeres)

Das war vor über 30 Jahren. Im Amerika 2012 rufen immer mehr Menschen zur Gegenwehr auf. Viele wollen solche Willkür nicht mehr einfach hin nehmen.

Trayvon’s Eltern haben im Internet eine Petition gestartet:

‘Zieht den Killer unseres Sohnes zur Rechenschaft‘ – 854.283 Menschen haben bis jetzt unterschrieben.

Auch der Staat Florida beugt sich offenbar dem öffentlichen Druck. Ein großes Geschworenengericht soll die genauen Umstände von Trayvons Tod klären.

George Zimmermann ist mittlerweile untergetaucht. Seit der Fall in den Medien prominent diskutiert wird, hat er mehrere Morddrohungen erhalten. Nachbarn sagen, der 28jährige, selbst ein Latino, hätte viele schwarze Freunde.

Kimberly Cardinal, eine der Unterzeichnerinnen der Petition für Trayvon, bringt es in ihrem Kommentar auf den Punkt:

‘Walking down the street while black is not a crime, murder is.’

7 years ago 0 Comments Short URL

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