Thursday, September 13th, 2012

Essen aus dem Truck

      

Washington, DC, Innenstadt. 12 Uhr 30. Mittagszeit.

Washingtons Angestellte sind hungrig. Und drängen sich in langen Schlangen vor 7 bunten Food Trucks. Das sind kleine Lastwagen, die im Inneren eine winzige Küche haben und aus dem Seitenfenster die hungrigen Kunden bedienen.

Food Trucks sind die junge amerikanische Alternative zur guten alten deutschen Pommes-Bude. Nicht mehr ausrangierter Campingbus. Food Trucks sind kirschrot, maisgelb, oder silberschwarz angemalt, und heissen Sweet Sexy Tofu, Dangerously Delicious Pies (gefährlich köstliche Kuchen) oder Hula Girl Truck. Es gibt indische Currys, asiatische Suppen, arabische Falafel-Bällchen, aber auch Klassiker wie Steak- und Hummersandwiches.

118 verschiedene Food Trucks sind in Washington registriert. Die meisten Trucks wechseln täglich ihren Standort. Auf einer Website erfährt man genau, wo welcher Truck gerade steht (http://foodtruckfiesta.com/food-truck-map-for-dc/).

In der amerikanischen Hauptstadt sind sie im Moment der angesagteste Essenstrend.

‘ Einmal Spicy Flying Pig.’ Stacey, 28, ordert 3 Tacos gefüllt mit scharf gewürztem Schweinefleisch beim Far East Taco Grill. Hier ist heute die längste Schlange. Ihr Lieblingstruck Fire and Rice ist nicht da. ‘Macht nix, die Tacos sind auch lecker, sagt Stacey. Sie arbeitet in einem Büro um die Ecke und kommt mehrmals pro Woche.

Die Vorteile des Essens aus dem Lastwagen liegen auf der Hand: Es geht schnell, die Auswahl ist groß und die Preise sind niedrig.

Hühnchen auf Reis für 7.99 Dollar, 3 Tacos für 8 Dollar, Steak-Sandwich 7 Dollar.

‘Hier ist einfach immer was los,’ sagt Billy, 34. Der Banker kommt immer, wenn er einen interessanten neuen Truck sieht. ‘Die ganze Atmosphäre ist entspannter als in normalen Lokalen. Ich stehe draussen, die Sonne scheint und ich kann immer etwas anderes essen.’

Sam, 16, jobbt den Sommer bei Souvlaki Stop. Der himmelblaue Truck serviert griechische Spezialitäten. Heute steht ein Hühnchen-Souvlaki-Sandwich für 7 Dollar als besondere Empfehlung auf der handgeschriebenen Anzeigetafel.

Sam steht hinter dem kleinen Fenster an der Seite des Trucks und nimmt die Bestellungen entgegen. Wenn es hektisch wird, also fast jeden Tag, hilft er auch in der winzigen Küche: ‘Wir haben ein kleine Karte und wenig Platz. Alles muss ganz schnell gehen. Ich mag das.’

Den etablierten Restaurants in der Washingtoner Innenstadt liegt der Erfolg des Essens auf 4 Rädern mittlerweile ziemlich im Magen. Schon blöd, wenn eine ganze Armada von Trucks vor den gedeckten Restaurant-Tischen parkt und die Kunden abzieht.  Ohne hohe Miete, Grundstückssteuern und Personalkosten zu zahlen.

Schon mehrfach haben die Lokalbesitzer die Stadt bedrängt, die Parkerlaubnis für die Trucks drastisch zu reduzieren. Kein Parken auf offiziellen Parkplätzen und vor Parkuhren, nur 30 Minuten an einem Standort – so lauten einige der Forderungen.

Bis jetzt ohne Erfolg. Die Lobby der begeisterten Food Truck – Esser wächst ständig. Immer mehr Trucks drängen in die Hauptstadt.

Und die hungrigen Washingtonians werden ihren beweglichen Mittagstisch sicher nicht so einfach aufgeben.

9 years ago 1 Comment Short URL

1 Comment

  1. Farida Wozniak says:

    Freue mich Dich bald wiederzusehen! Bin noch auf Mallorca bis zum 29 September. xoxo

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