Thursday, February 21st, 2013

Döner for America

Döner in the Box. Paul, 27, kommt regelmäßig ins Döner Bistro: ‘Bei meinem 1. Döner wusste ich noch nicht so richtig, was das eigentlich ist. Mittlerweile liebe ich es. Vor allem das Fleisch ist so gut gewürzt.’

Der Kickertisch gehört dazu. Ein bisschen Deutschland in der US-Haupstadt. Im Fernsehen läuft die Bundesliga.

Nicole Winkel, 32, hat das Dönermachen in Hamburg gelernt. Vor 7 Jahren haben ihr Mann und sie die ersten Döner in Amerika verkauft. ‘Die Leute haben geweint, wenn wir ausverkauft waren.’

Döner und Bier. Das gehört auch in Washington dazu. Im Döner Bistro gibt’s fast alle großen deutschen Biermarken.

Aus dem Lautsprecher kommen deutsche Schlager.

‘Ach, wärst du doch in Düsseldorf geblieben….’, außer Nicole, die gerade die Temperatur des Fleischspießes misst, versteht das hier natürlich keiner.

Macht nix, gehört zur Atmosphäre. Wie das Tisch-Fussballspiel und die Biergartengarnitur.

Ein kleines Stück Deutschland nach Amerika bringen – das ist der Lebenstraum von Nicole und Timo Winkel.  Und Deutschland, das ist für die beiden Norddeutschen vor allem DÖNER.

Ihre gemeinsame Döner-Geschichte beginnt vor 8 Jahren.  

Timo, gelernter Maschinenbaumeister aus Hamburg, besucht seine Freundin Nicole, angehende Wirtschaftsstudentin, die damals im US-Bundesstaat Virginia, nahe Washington, lebt. Nach dem Kino hat Timo Appetit auf einen Döner.

‘Den gibt’s hier nicht, habe ich gesagt,’ lacht Nicole. Und Timo kann es nicht fassen.

Keine Döner im Fastfood-Land USA?

Da geht doch was. Eine Geschäftsidee ist geboren.

Timo und Nicole lernen von einem Freund in Hamburg wie man echte deutsch-türkische Döner macht. Dann schreiben sie in 3 Monaten einen Businessplan und legen den beim amerikanischen Konsulat in Frankfurt vor.

Der Konsul ist ein Döner-Fan. Und von der Idee begeistert.

Nicole und Timo bekommen ein Visum. Und starten mit einem Truck ihr Döner-Geschäft in Amerika.

‘Wir haben in den 20 Jahre alten Van eine winzige Küche eingebaut. Mit Döner-Spießen und allem. Das ganze in Handarbeit. Die Nacht bevor die amerikanische Gesundheitsbehörde den Döner-Truck abgenommen hat, haben wir beide vor Aufregung nicht geschlafen.’

Aus dem Truck wird nach knapp 3 Jahren ein richtiges Lokal in Leesburg, Virginia. Im Herbst 2012 kommt die zweite Döner-Filiale in Washington, DC, dazu.

Margret, 38, und Mimi, 39, aus DC, sind zum ersten Mal hier. Die beiden essen den klassischen Döner ( Hühnchen oder Rind) im warmen Fladenbrot.  Mit ordentlich viel Knoblauchsoße:

‘Ich habe die Döner-Buden bei meinem Praktikum in München gesehen. Das war hier mein erster. Schmeckt toll. Nur bräuchte ich jetzt ein Zahnbürste oder eine Packung Pfefferminz.’

Das Geschäft läuft gut. 12 Angestellte säbeln Dönerfleisch, panieren Schnitzel und braten Currywurst. Es kommen Deutsche auf der Suche nach vertrauter Kost, Amerikaner die German Bier und Wurst lieben und viele Neugierige.

Für Neukunden ist vor allem der Name eine Herausforderung. Aus Döner wird dann Diehner oder Dahner – mit den komischen deutschen Umlauten können Amerikaner nichts anfangen.

Nicole kontrolliert noch einmal die sich langsam drehenden Fleischspieße. Alles gut.

Bei uns dreht sich mittlerweile alles um den Döner. Das ist wirklich mein ganzer Lebenssinn. Unser Visum hängt vom Erfolg unserers Döner-Geschäfts ab. Und wir sind noch lange nicht am Ziel.’

Viele Interessenten haben sich bei den beiden Deutschen in den letzten Jahren gemeldet. Alle wollen Tipps und dann ein ähnliches Business starten.

Nicole kann sich eine landesweite Dönerkette nach den grossen Vorbildern Pizzahut oder Burgerking durchaus vorstellen.

Döner for America.

‘Warum nicht’ – lacht Nicole.

Man wird doch träumen dürfen. Das ist schließlich Amerika.

 

 

 

8 years ago 4 Comments Short URL

4 Comments

  1. Sabine says:

    Schöner Blog, Christina, eine super Idee! Ich wollte da auch schon lange mal gehen und ärgere mich, dass es das nicht schon gab, als ich noch in Kalorama gewohnt habe. Eine tolle Ergänzung zu Amsterdam Falafel! (Schon lustig, dass die Europäer die ganzen orientalischen Gerichte kapern!)

  2. Friederike Billings says:

    Wenn ich das naechste Mal in DC werde ich euch aufsuchen. Kann es kaum abwarten.

  3. Farida says:

    Nehme morgen Farid und Leila dahin! Kann es kaum abwarten!

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