Thursday, February 28th, 2013

Warum Amerika immer dicker wird

Da bleibt einem glatt der Cracker im Rachen stecken:

Michael Moss, New York Times-Journalist und Pulitzerpreisträger, deckt in seinem neuen Buch ‘Salt Sugar Fat’ die Machenschaften der amerikanischen Lebensmittelkonzerne auf.

Seine Kernthese ist schockierend:

Die Lebensmittelindustrie macht Menschen bewusst abhängig. Ihre Drogen sind zuviel Salz, zuviel Zucker, zuviel Fett.

Jahrelang forschen Wissenschaftler und Ingenieure im Auftrag der Konzerne nach dem perfekten Geschmackserlebniss.

Und wenn sie es finden, sind wir verloren.

Moss nennt das den ‘Bliss-Spot’. Der Punkt, an dem Zucker und Salz genau so portioniert sind, dass unserer Geschmacksnerven gar nicht mehr anders können als mehr, mehr, mehr zu schreien.

32 Kilo Zucker isst der  durchschnittliche Amerikaner  jährlich. Der Käseverbrauch ist auf 15 Kilo pro Jahr gestiegen. Und auch beim Salz langt der US-Bürger kräftig hin: 8,500 Milligramm täglich. Nur die Hälfte ist gesund.

Die Folgen für die Gesundheit sind dramatisch.

Die Vereinigten Staaten von Amerika verwandeln sich langsam in die Vereinigten Staaten der Fettleibigen.

Jeder 3. Erwachsene Amerikaner ist heute schon übergewichtig. 16,9 Prozent aller Kinder zwischen 2 und 19 Jahren sind zu dick. Im Jahre 2030, hat das American Journal of Preventive Medicine berechnet, werden 42 Prozent der US-Bürger fettleibig sein.

Wenn die Nation so ungesund weiter isst wie bisher.

In 13 amerikanischen Bundesstaaten würde in 17 Jahren sogar die Mehrheit, über 60 Prozent, fettleibig sein. Die Südstaaten Mississippi, Louisiana, Alabama führen heute schon die Statistik der fettesten Amerikaner an.                                                                     

Herzinfarkte und Diabetes würden epidemisch zunehmen.

Das US-Gesundheitssystem, schon heute nah am Kollaps, würde mit zusätzlichen 550 Milliarden Dollar jährlich belastet.

‘Wir haben einen kritischen Punkt erreicht’, schreibt Moss in seinem Buch.

Alle Versuche die Konzerne zu gesünderen Produkten zu überreden sind bis jetzt fehlgeschlagen. Zu gewaltig sind die Gewinne und zu gross die Macht der Lobbygruppen.

Und zu teuer ist für den amerikanischen Durchschnittsverdiener oft die frische, gesündere Variante.

5 Dollar für ein kleines Schälchen Blaubeeren sind viel Geld.  Den vermeintlich genauso gesunden Müsliriegel gibt’s für 99 Cent.

Bei den Recherchen für sein Buch hat Moss mit mehr als 300 aktiven und ehemaligen Mitarbeitern aus der Lebensmittelindustrie gesprochen. Interessantes Ergebnis: Die meisten essen nicht, was ihre Firmen, die Kraft, Coca Cola oder Nestlé heißen, so sorgfältig im Versuchslabor produziert haben.

Die wissen schliesslich, was da alles drin ist.

Der Druck auf die Lebensmittelgiganten muss wachsen, sagt Moss. Dann werden im Labor vielleicht neue Softdrinks, Kartoffelchips und Fertigsaucen entwickelt, die weniger Salz, Zucker und Fett enthalten, und die auch noch gut schmecken.

Durchsetzten kann das nur der Verbraucher.

Moss rät: Einkaufsliste machen, dran halten und Vorsicht bei Spontaneinkäufen. In der Mitte des Regals stehen oft die Salz- und Zuckerbomben, also lieber unten und oben gucken.

Und die Packung Oreo-Cookies am besten gar nicht erst in den Einkaufswagen tun.

Nach dem ersten Keks kann man einfach nicht mehr aufhören!

 

 

 

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