Thursday, April 11th, 2013

Schwitzen in DC

Meine Klimaanlage spielt verrückt.

Beim direkten Übergang von Heizen auf Kühlen hat sie aufgegeben. Gestern Abend war es in meinem Obergeschoss heiss wie im Backofen. Der Thermostat zeigte 37 Grad. Draussen regte sich kein Lüftchen. Hitzewellen waberten durchs offene Fenster.

Noch 29 Grad um 21 Uhr.

Und das am 10. April in Washington, DC.

Eigentlich sollte jetzt Frühling sein. Angenehme 20 Grad, ein laues Lüftchen, ein leichtes Jäckchen. Draussen entspannt Kaffee trinken….stattdessen fliehen die Hauptstädter in den Schatten, den noch blätterlose Bäume nicht spenden können. Oder gleich ins kühle Innere der Lokale.

Da ist es dann Kühlschrank-kalt. Aus den Klimaanlagen bläst ein eisiger Luftstrom. Wie im Hochsommer.

Laut nationalem Wetterinstitut war der 10. April 2013 in Washington, DC, der heisseste seit 91 Jahren.

Für die Natur ein Alptraum. Die Magnolien- und Kirschbäume, denen es lange zu kalt zum blühen war, sind innerhalb von 3 Tagen schon wieder verblüht. Der Rasen, der gerade erst wieder zu wachsen beginnt, wird an einigen Stellen schon braun.

Starbucks verkauft eisgekühlte Kaffee-Shakes. Auf der Karte stehen noch die winterlichen Zimt-Heißgetränke.

Der Frühling ist ausgefallen dieses Jahr.

Meine gefütterten Fellstiefel stehen im Flur neben meinen Flip Flops.

Die meisten Kleiderschränke haben den direkten Übergang von Winter auf Hochsommer auch noch nicht verkraftet. Die Sommerkleider hängen ungebügelt im Schrank und die Shorts sind irgendwo ganz unten in der Schublade versteckt.

Ganz zu schweigen von den Kleiderträgern. Das Wetter trifft alle völlig unvorbereitet.

Milchig weiße Körperteile ragen aus Spaghettitops und Minishorts. Nicht so schön anzusehen, aber was will man machen.

Wer nicht gerade in der Karibik war, hatte keine Zeit zum Vorbräunen. Beine sind noch nicht rasiert. Füsse noch nicht sommerfit gemacht. Nagelstudios haben Hochbetrieb. Wenn schon die Füsse kreidebleich sind, sollen wenigsten die Nägel glänzen.

3 Stunden nach der vereinbarten Zeit kommt endlich Mike, der Servicemann meiner Klimaanlage.

Er ist seit 12 Stunden im Einsatz. Scheinbar sind viele Kimaanlagen mit der plötzlichen Hitze überfordert.

‘Vor 4 Tagen haben die meisten Leute noch geheizt. Jetzt diese Hitze,  wenn dann die Anlagen nicht gut gewartet sind, können sie schon mal ausfallen.’

Bei mir war der Luftfilter schuld. Zu schmutzig. Hätte längst gewechselt gehört.

Jetzt ist das ganze Haus herrlich kühl.

‘Ich garantiere  in ein paar Tagen heizen wir wieder’, sagt Mike. ‘Das wird noch mal kalt.’

Vielleicht sollte ich die Fellstiefel lieber im Flurschrank lassen.

 

 

 

8 years ago 0 Comments Short URL

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *