Saturday, September 14th, 2013

Tief im Westen – Grönemeyer goes US

Die Schlange hört gar nicht auf vor dem MusikClub 9.30, mitten in Washington’s hippem U-Street Viertel.

‘Sind die alle gekommen um IHN zu sehen?’ fragt meine Freundin Friederike.

Ja, die Schlange spricht deutsch. Und alle wollen Herbi hören. The German Superstar.

Es ist Grönemeyers erste große US-Tour. 12 Konzerte in 18 Tagen. Washington ist sein 2. Stop. Das neue Album heißt I WALK. Darauf sind viele Grönemeyer Hits ins englische übersetzt und ein paar neue Songs.

Herbert Grönemeyer, 57, füllt zu Hause  in Deutschland ganze Stadien. In Washington spielt er in fast intimen Ambiente. Zwar wird er von amerikanischen Radiostationen gerne als ‘the German Bruce Springsteen’ gepriesen. Trotzdem ist er in den USA praktisch unbekannt.

Knapp 1000 Fans sind in den Club gekommen. Fast jeder spricht deutsch.

Um 23 Uhr kommt Grönemeyer auf die Bühne. Die Gitarre in der Hand, im schlichten schwarzen Sakko, T-Shirt, Röhrenjeans und Turnschuhen begrüsst er sein Publikum auf englisch:

‘Hello Washington’ – ‘Hallo Herbi’ schreit es auf deutsch zurück.

Und los geht’s. ‘Alcohol’, sein Megahit, in der englischen Übersetzung. Das Publikum grölt den Text einfach auf deutsch mit. Alkohol bleibt schliesslich Alkohol.

Grönemeyer versucht die Inhalte seiner Songs zu erklären. Der drallen Blonden vor mir ist das ziemlich egal. ‘BOCHUM, BOCHUM, BOCHUM’ schreit sie, bis sie nicht mehr kann.

Grönemeyer hört sie nicht. Jetzt gibt’s erst mal ‘Airplans in my head’. 

Es ist komisch Grönemeyer englisch singen zu hören. Es fehlt dieses vertraute deutsche Seufzen und Stöhnen. Im englischen klingt Grönemeyer reiner, sauberer, aber irgendwie weniger wie Grönemeyer.

Das findet auch die Blonde vor mir. Sie gibt nicht auf: ‘BOCHUM, BOCHUM, BOCHUM.’

Langsam kann ich sie verstehen.

Der junge Typ neben mir wippt nur langsam mit den Füssen. Aha, denke ich, wahrscheinlich ein Amerikaner, der den Grönemeyer gar nicht kennt. Nö, I  am  from Austria,’ sagt der Jüngling und lacht, ‘da kennen wir Grönemeyer auch!’

Gibt’s hier im Konzert überhaupt einen Ami? 

Ich finde Jiyoung, 34, geboren in Washington. Ihr deutscher Nachbar hat sie mit ins Konzert genommen.

Und, frage ich aufgeregt, wie gefällt ihr unser Herbert?

‘Ich mag seine Stimme, aber sein Styling….er könnte einen komplett neuen Look gebrauchen.  Er ist null sexy.’

Hallo, will ich erwidern. Der Mann hat 18 Millionen Alben verkauft, ist seit 30 Jahren im Geschäft. Der Mann ist eine deutsche Ikone. Der muss nicht sexy sein!

Ich lass es sein.

Herbert trägt mittlerweile eine blassrote Sportjacke. Die hat definitiv schon bessere Tage gesehen.

Auf der Bühne setzt leise das Klavier ein.

‘Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt….’

‘BOCHUM’, schreit die dralle Blonde vor mir. Es klingt wie eine Erlösung.

Ich singe mit. Auf deutsch. Grönemeyer endlich auch.

 

 

 

 

 

 

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