Friday, October 4th, 2013

Shutdown in Washington – Tag 4

Proteste vor dem Kapitol. Ich bin weder Demokrat, noch Republikaner. Ich bin Amerikaner und stocksauer.’ Regierungsmitarbeiter im Zwangsurlaub wollen demonstrieren bis der Shutdown zu Ende ist.

Lachen für die Fans. Obama und Vize Biden auf dem Weg zum Lunch um die Ecke. Kleine Entspannungspause im Shutdown-Wahnsinn. Seine geplante Asienreise hat der Präsident abgesagt. Obama schaut zwar optimistisch, doch ein Ende des Haushaltsstreits ist nicht in Sicht. 

Marinekadetten vor dem Weißen Haus. Der Navy-Nachwuchs wollte sich in Washington die Denkmäler und Museen anschauen. Pech gehabt. Fast alles ist wegen des Regierungsstillstands geschlossen.

CLOSED! Weil diese Straße durch einen öffentlichen Park führt, wurde sie geschlossen. Die Parkaufseher sind Staatsangestellte. Und wie Hunderttausende ihrer Kollegen kurzfristig arbeitslos.

Deswegen dauert unser Schulweg jetzt morgens ein bisschen länger.

‘Das sind solche Idioten,’ stöhnt meine Tochter, 16, ‘Können die sich endlich einigen, die benehmen sich wie 12jährige.’

Damit meint sie vor allem die Republikaner und deren erzkonservativen Teil, die Mitglieder der Tea Party. Diese weigern sich beharrlich den neuen US-Hauhalt zu verabschieden. Und versuchen so Obama’s Krankenversicherung doch noch zu kippen. Und das, obwohl Obamacare längst vom Kongress verabschiedet  und seit 1. Oktober in Kraft getreten ist.

Tag 4 im Shutdown-Wahnsinn. Und immer noch keine Einigung.

In Washington ist die Frustration besonders groß. In der Hauptstadt arbeiten die allermeisten Staatsbediensteten. Normalerweise. Seit über 90 Stunden müssen sie alle zu Hause bleiben. Unfreiwillig und erst einmal unbezahlt. 

Nur wenige Institutionen wie Polizei, Feuerwehr, öffentliche Schulen sind weiter in Betrieb. Der grosse Rest bleibt geschlossen.

Touristen stehen enttäuscht vor den vielen geschlossenen Smithsonian-Museen der Hauptstadt. Auch die berühmten Monuments auf der National Mall kann man nur aus der Ferne bestaunen.

Für die fehlende politische Kompromissbereitschaft zahlt Amerika einen hohen Preis.

Finanziell kostet der Verwaltungsstillstand das Land geschätzte 300 Millionen Dollar pro Tag. Es steht aber viel mehr auf dem Spiel.

Wenn das mächtigste Land der Welt seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann, weil der Wille zur Zusammenarbeit fehlt, ist das gefährlich. Es zeigt die Ohnmacht der Demokratie. Und schadet dem Ansehen der USA weltweit.

Eine 15jährige, die mit ihrer Schulklasse zu Besuch in Washington ist, und vor dem verschlossenen Lincoln-Memorial steht, sagt es den Politikern ins Gesicht:

‘Es geht nicht um euch und eure Prinzipien. Es geht um uns und unser Land!’

 

 

 

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