Friday, April 1st, 2011

Baby, steck mir einen Ring an

Sally – blond, hübsch, 25 Jahre  – will mit ihrem Freund umziehen. Von Baltimore nach Dallas, Texas. Da hat er einen neuen Job angeboten bekommen. Kein Problem, doch ihre Mutter warnt: “Zuerst meine Liebe, muss er Dir einen Ring an den Finger stecken!” Und Dave – sportlich austrainiert, gewinnendes Lachen, 26 Jahre – gehorcht. Verbringt mindestens 10 schlaflose Nächte bis er ihn findet, den perfekten RING. Gross, glitzernd, teuer, sehr teuer…aber Sally hat Tränen in den Augen, als er ihr das Funkelteil auf den Knien überreicht. Und sagt natürlich JA, zur Frage aller Fragen: Willst du mich heiraten?

Der Verlobungsring ist wahrscheinlich Amerikas erfolgreichste Marketingidee des letzten Jahrhunderts. Über 80 Prozent aller US-Bräute bekommen einen. 2 bis 3 Monatsgehälter gibt MANN für die Liebesgabe im Durchschnitt aus. Eine Parole, die sich die Diamantenfirma De Beers höchst clever ausgedacht hat. In den 1930er Jahren stagnierten deren Diamantenverkäufe. Also wurde eine nationale Werbekampagne ersonnen mit glücklichen Jungverheirateten und der Zeile “A Diamond Is Forever.” Sofort stieg der Verkauf von Diamanten um über 50 Prozent an. Seitdem gehört der Einkaräter zur amerikanischen Hochzeit, wie die Torte oder der Brautstrauss.

Für den Bräutigam bedeutet der Ring vor allem Stress: Wie viel Karat (kann ich mir leisten, ohne mich für den Rest meines Lebens zu ruinieren)? Ein zentraler Stein oder 3 in einer Reihe (stellvertretend für die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Paares)? Farbig oder reinweiss??? Vintage, also ein Ring mit Geschichte oder umweltfreundlich, also garantiert nicht von brutal ausgebeuteten Kindern in südafrikanischen Minen geschürft? Da kann einem die Lust am heiraten schon vergehen……

Hat MAN ihn dann aber gefunden, den einen, einzig wahren Ring, das ewige Versprechen reiner Liebe, trägt FRAU ihn auch zur Schau. Er wird bewundert, geschätzt, geneidet und vor allem NIE wieder abgelegt. Beim Bäcker, beim Joggen, Reiten oder unter der Dusche, der Ring bleibt an. Manche Amerikanerin lässt sich von ihrem besonders kostbaren Original eine billigere Kopie anfertigen. Für die niederen Arbeiten des Lebens. Die Mehrheit aber vertraut dem Original.

Als Europäerin – ohne offiziellen Glitzer-Ring – erntet man mitleidige Blicke. Da ist der eigene Mann ja recht billig davon gekommen……dabei wurde der 1. historisch dokumentierte Verlobungsring – natürlich ein Diamant – von einem Europäer verschenkt. Der Wiener Erzherzog Maximilian von Österreich überreichte ihn 1477 seiner Angebeteten Maria von Burgund.

Und wer zum Zeitpunkt der Verlobung nicht ganz so flüssig ist, kann beim amerikanischen Edeljuwelier Tiffany erst mal kleiner anfangen: “Double it in the first 5 year” bedeutet, wer sich heute nur einen 2.500$ Ring leisten kann, hat innerhalb von 5 Jahren die Chance das Modell gegen einen doppelt so teuren, also 5.000$ Ring zu ersetzen. Leistungsansporn auf amerikanisch…….

Sally wohnt heute übrigens glücklich in Dallas. Und legt ihren grossen, sehr funkelnden Ring nie mehr ab.

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Wednesday, March 23rd, 2011

Good-Bye Elizabeth

Elizabeth Taylor ist tot.

Als ich meinen Kindern die Nachricht beim Frühstück verkünde, kommt als Antwort: “WER IST DAS DENN????” Liz Taylor – ich kann es nicht fassen. Meine Töchter (13 und 17 Jahre) können mit dem dem Namen nichts anfangen. “An irgendwas erinnert mich das, ” meint die Jüngere. Immerhin…..

Ich versuche zu erklären. Liz Taylor  – das war Hollywood pur. Nicht so eine glattpolierte Fassade. Sondern echter, wahrer, dramatischer Glamour! Sagenhafte 8 Ehen, 2 davon öffentlich geliebt und gelitten mit Richard Burton. Mit 10 Jahren zum ersten mal vor der Kamera. Danach 7 Jahrzehnte ein öffentliches Leben. Über 50 Filme: Die Katze auf dem heißen Blechdach, Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, Cleopatra,……2 Oscars und 1 Ehrenoscar.

Die letzten Jahre machten vor allem Taylors Gesundheitsprobleme Schlagzeilen. Ständige Diäten, ihre Freundschaft mit Michael Jackson, ihr soziales Engagement. Vom Leben gezeichnet sieht man Elizabeth Taylor auf Galas im Rollstuhl sitzen. Grosse Saphire, Smaragde, Diamanten glitzern an ihren Händen, Armen, um den Hals. Sie ist immer noch eine Diva. Bis zum Schluss.

Gefragt was einmal auf ihrem Grabstein stehen soll, soll sie vor Jahren geantwortet haben: “Hier liegt Elisabeth. Sie hasste es Liz genannt zu werden. Aber sie hat gelebt.” (John Farr, Huffington Post)

In einem amerikanischen Coffee-Shop läuft der Fernseher. Es werden Ausschnitte aus Liz Taylors Filmen gezeigt. Die Menschen verdrehen die Köpfe um besser sehen zu können.

Sie war wirklich eine sehr schöne Frau.” meint meine Tochter.

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Thursday, March 17th, 2011

Grün, grüner… St. Patrick’s Day

Es ist 10 Uhr am Morgen. Ein ganz normaler Donnerstag. Doch halt, irgendwie ist die Welt auf einmal grüner……..Hunde tragen grüne Mützen, Männer grüne Bärte. Jedes Jahr am 17. März feiern die Iren dieser Welt, und alle anderen die gerne Bier trinken, St. Patrick’s Day!

Ein Tag zu Ehren des irischen Nationalheiligen Patrick von Irland. Der 1. christliche Missionar Irlands soll an einem 17. März gestorben sein.

34 Millionen Amerikaner haben irische Vorfahren. St. Patrick’s Day ist in den Staaten also fast ein nationaler Feiertag. Da lassen sich Städte wie Chicago nicht lumpen und färben gleich den ganzen Chicago-River grün. Auch der Springbrunnen vor dem Weissen Haus soll schon grün gesprudelt haben……

Es gibt natürlich Paraden in jeder Stadt, Riverdance-Wettbewerbe, die Kinos zeigen irische Filme, in den Clubs spielen keltische Punk-Bands.

Herzstück irischen Frohsinns sind aber die Pubs. Oft schon Wochen vorher ausgebucht, wird hier der beste grüngekleidete Mensch gesucht und der schnellste Biertrinker im Wettstreit ermittelt. Das Bier ist übrigens auch meistens grün an diesem Tag!

8 years ago 4 Comments Short URL
Wednesday, March 16th, 2011

Atomangst in den USA

Diabolo Canyon, Atomkraftwerk in Kalifornien

Die Welt blickt geschockt nach Japan und hält den Atem an. Gelingt es die Kernschmelze im Atomkraftwerk Fukashima auf zu halten???

Inzwischen steigt die Atomangst auch in den USA. 70% der Befragten einer neuen USA Today/Gallup Umfrage sagen, dass sie über die Sicherheit der amerikanischen Atomkraftwerke besorgt sind.

104 Atomkraftwerke sind zur Zeit in den USA am Netz. 24 davon sind ähnlich gebaut, wie das Katastrophen-AKW in Japan. Die meisten sind schon seit über 40 Jahren in Betrieb. Wesentlich länger also, als ursprünglich geplant. Und liegen in gefährdeten Erdbebengebieten, wie Kalifornien.

Alles kein Grund zur Sorge, meinte gestern der amerikanische Energie Minister Steven Chu vor dem Kongress. Amerikaner sollten vollstes Vertrauen in die Sicherheit der amerikanischen Atommeiler haben. Zur Sicherheit habe man aber mehrere dutzend Mitglieder der Atomenergie Kommission ins Krisengebiet nach Japan geschickt. Um den Kollegen vor Ort zu helfen und um aus der Katastrophe zu lernen.

Trotzdem sind einige Republikaner und Demokraten nicht überzeugt, dass das im Ernstfall reichen wird. Japan galt weltweit als bestens vorbereitet auf eine atomare Katastrophe. Genutzt hat es wenig. Ob Amerika genug für die Sicherheit seiner Atomkraftwerke getan hat, bleibt eine bange Frage.


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Wednesday, March 9th, 2011

Michelle’s Kleider

Was Sie trägt, kaufen Amerikas Frauen.

Michelle Obamas Stil ist jetzt schon legendär: im Cardigan zur Queen, barfuss in Jeans und Sweater über den Rasen des “White Hause” oder im Cinderella-Traumkleid auf dem Ball zur Amtseinführung. Immer macht FLOTUS – First Lady Of The United States of America – die beste Figur.

Das neue Buch der amerikanischen Mode-Journalistin Kate Bett ‘Everyday ICON – Michelle Obama And The Power Of Style’ ($35, Clarkson-Potter) preist den Modegeschmack der First Lady auf 256 Seiten und über 200 Photos.

Kate Bett im NBC-Interview: “Michelle’s Stil ist vergleichbar mit dem von Jaqueline Kennedy. Beide sind als junge Mütter ins Weisse Haus gekommen. Beide lieben Mode und nutzen ihre Wirkung. Beide lieben ‘simple dresses’ , die leicht von jeder Frau zu kopieren sind.”

Doch anders als Jackie, die für ihren verschwenderischen Modestil und die vielen kostspieligen Designer-Kleider oft kritisiert wurde, setzt Michelle auf Massenware. GAP, J. Crew oder H&M – die First Lady trägt, was die moderne ‘working mom’ im Kleiderschrank hat. Und das ist mehr GAP als GUCCI. Und in diesen wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch eine wichtige politische Botschaft. Was ihr ein Dauerhoch in den Beliebtheitsumfragen beschert. Regelmässig liegt sie vor dem Präsidenten.

Trotzdem wird Mobamas Stil täglich heiss diskutiert: Sind ihre Shorts (im Spanienurlaub) nicht doch ein bisschen zu kurz? Die Oberarme nicht ein bisschen zu nackt und muskulös? Sollte sie nicht nur U.S. Labels tragen (Staatsdinner für China)????

Bis jetzt hat sich Michelle keinen wirklichen Mode-Fehler geleistet. Sie gilt als die lässigste First Lady der US-Geschichte. Wie einfach sie Bodenständigkeit mit grossem Glamour verbindet, bleibt ihr Geheimnis. Oder das ihrer Stylistin!

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